Wie sich Designer und User die Hände reichen könnten…

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In einem spannenden Artikel den Sarah Horton gestern in der neuen Ausgabe des Digital Web Magazine rät sie Designern zu mehr Zurückhaltung und Usern zur Übernahme von mehr Eigenverantwortung.

Im Grundgedanken steht die Idee dem User einer Webseite mehr Verantwortung für die Interaktion zu geben und nicht zu diktieren, wie der Umgang zu erfolgen hat. Warum muss ein Webdesigner vorgeben, dass Links zu externen Seiten in einem neuen Fenster zu öffnen sind, wenn dadurch die ohnehin vorhandene Funktion des Backbuttons im Browser des Users nicht mehr genutzt werden kann? Dem User sollte die Kontrolle über sein System, seine Arbeitsumgebung nicht entzogen werden. Der Verzicht auf fixierte Layouts gibt dem User die Freiheit, ganz nach seinen Bedürfnissen über Schriftgößen und Browserbreiten zu entscheiden.

Soweit dacor. Im Prinzip kann man dem folgen, dennoch gebe ich zu Berücksichtigen, dass es in der Verantwortung des kreativen liegt, den Inhalt, der in der von ihm gestalteten Webseite kommuniziert wird in eine Form zu bringen, die der Rezipient gerne aufnimmt. Man kann davon ausgehen, dass nicht jeder User zunächst die Einstellung seines Browsers justieren möchte, um eine Webseite angemessen betrachten zu können, man kann davon ausgehen, das beim flüchtigen Ansurfen einer Webseite nicht jeder User das Browserfenster anpasst, nur um nicht mit Zeilen mit 150 Zeichen erschlagen zu werden.

Ich denke, hier ist der Diskurs nicht zu Ende geführt, außerdem sollte man Formen der Informationsvermittelung losgelöst von Webseiten beachten. Hat man sich zu einem RSS Programm seiner Wahl entschieden kann man an einer Stelle zentral einstellen, in welcher Farbe, Fenstergröße und Schriftart man seine News lesen möchte. Somit liegt hier in der Tat die volle Kontrolle über die Ausgabeeinstellungen beim User. Bei Webseiten die kommerzielle Interessen verfolgen, den User geführt zu Interaktionen lenken wollen und sollen, halte ich eine zu große Freiheit des Konsumenten für weniger förderlich.

Oliver Wagner von Oliver Wagner

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