Gelesen: Rework

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Vorgestern erschien Rework, das zweite Buch von 37 Signals. Verpackt in viele kurze Essays, nett illustriert, lässt es sich bequem an ein oder zwei Abenden durchlesen – und ist dabei weit weniger revolutionär als man meinen würde. Getting Real, das erste Buch von Jason Fried und David Heinemeier Hanson brach damals viele tradierte und klassische Paradigmen der Software- und Webentwicklung und Rework schickt sich an ähnliches zu tun im Bezug auf Struktur, Arbeitsweise und Aufbau eines Internetprojekte betreibenden Unternehmens.

Vielleicht tue ich dem Buch und seinen Autoren auch etwas unrecht. Denn natürlich gibt es weite Teile die den Leser bei der Lektüre reflexartig nicken lassen. Es ist viel richtiges und wahres auf den 270 Seiten zu lesen. Man merkt die Überzeugung und eindeutige Fokussierung die 37 Signals auch hier vermitteln. Vielleicht etwas selbstreflektiert, etwas zu begeistert und zu intolerant allen anderen Methodiken gegenüber – aber auch das ist Teil ihrer Empfehlungen: Bezieht Stellung, polarisiert.

Es mag auch an den unterschiedlichen Warten liegen, aus denn heraus ich Rework und vor ein paar Jahren Getting Real gelesen habe. Bei der Lektüre des Letzterem arbeitete ich in einem großen Unternehmen, der Arbeitsalltag von Meetings bestimmt, Projekte brauchten lange, Jahre mitunter, waren skaliert auf Millionen von Nutzern, die Entwicklung getrieben von starren Prozessen und Wassefallmodellen. Heute arbeiten wir in einem kleinen, flexiblen, dezentralen Team an meist kleineren Projekten die erst im Bedarfsfalle hochskaliert werden, entwickeln schnell und zu verhältnismässig günstigen Kosten. Nur mit dem Kapitel „Send people home at five“ wird das so schnell nichts, fürchte ich.

Und um den negativen Einstieg weiter zu relativieren: Gewonnen haben die beiden Autoren bei mir natürlich ohnehin durch ihre regelmässigen Vergleiche der Webentwickler mit Köchen und der Gastronomie im allgemeinen und schließen damit einen schönen Kreis zu einem meiner Lieblingsbücher, zu Kitchen Confidential von Anthony Bourdain.

6 Kommentare

  • Lustig. Das Buch Ist mir gestern erst von Konstantin empfohlen worden. Hach schön, wenn die Leute um einen rum halbwegs einer Meinung sind. Wofür brauch ich da noch Nachrichten?

  • Bin noch nicht ganz durch, aber das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen ;-)

    Habe bisher einen ähnlichen Eindruck — ich denke seit Getting Real haben wir einfach so viel der Arbeitsweise von u.a. 37 Signals verfolgt und verinnerlicht, dass Rework uns heute weit weniger revolutionär daherkommt.

  • ich habe das buch auf englisch im auto angehört – das ist volksbelustigung – teilweise macht es nachdenklich – aber ernst nehmen sollte man es nicht, oder?

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