Apple zieht Camera+ aus dem Verkehr

Ohne Zweifel ist Camera+ von taptaptap die beste Fotoapplikation für das iPhone. Und gleichermaßen sehr erfolgreich, wie die Entwickler selbst in ihrem Blog beschreiben. So wurden in den ersten beiden Monaten insgesamt Umsätze von über $500.000 generiert.

In den letzten Wochen haben die Programmierer an einem neuen Feature gearbeitet, einem von der Community sehr gewünschten Weg, Bilder auch über die Volumeregler des iPhones auslösen zu können. Statt auf das Display zu klicken verspricht ein leichter Druck auf die Lautstärketaste (sogar am Kopfhörer) ein deutlich ruhigeres Auslösen, sprich geringere Verwacklungsgefahr. Apple hat dieses Feature mit folgender Begründung abgelehnt:

Your application cannot be added to the App Store because it uses iPhone volume buttons in a non-standard way, potentially resulting in user confusion. Changing the behavior of iPhone external hardware buttons is a violation of the iPhone Developer Program License Agreement. Applications must adhere to the iPhone Human Interface Guidelines as outlined in the iPhone Developer Program License Agreement section 3.3.7

Soweit, so ärgerlich. Um den Wünschen der Nutzer gerecht zu werden hat tap tap tap einen Workaround entwickelt, bei dem die App nun ohne dieses Feature im Appstore angeboten wird. Allerdings durch eine Hintertür, durch den Aufruf einer bestimmten URL im Safari, heimlich wieder aktiviert werden kann.

Wenig überraschend hat Apple Notiz von dieser Funktion genommen – und die App sofort aus dem Appstore entfernt.

Natürlich wirft all das eine Reihe von Fragen auf, zum einen natürlich, wie konsequent Apple taptaptap nun vom Appstore ausschließt. Andere Entwickler die mit ähnlichen Tricks arbeiteten wurden über Monate gebannt. Zum anderen, wie ein Unternehmen diesen unmittelbaren Einbruch an geplanten Umsätzen verkraften kann (jeder Tag ohne Camera+ im Appstore bringt einen Verlust von ca. $8.500). Und natürlich erneut die Frage nach der Gatekeeper Funktion von Apple, die in diesem Beispiel erneut im direkten Widerspruch zu den Wünschen der Community steht…

Kommentare (9)

    • Wenn Du sie bereits auf dem iPhone hast, kannst Du sie ja weiter nutzen. Schlimm finde ich den wirtschaftlichen Impact für die Entwickler, den so ein Ausschluss haben kann…

      • Ja. Das stimmt. Obwohl ich in diesem Fall geneigt bin zu sagen: Selbst Schuld. Nicht, dass ich damit Apples Politik gutheißen will. Aber wer Apples Vorgehen diesbezüglich verfolgt, muss wissen, dass die so einen Trick wie den mit der URL nicht einfach so durchwinken. Schade für beide Seiten.

  1. Apple besteht nun einmal darauf, dass das UI einhaltlich bleibt, wer dann die Knöpfe missbraucht, darf sich nicht wundern. Und wer Apps produziert, sollte einkalkulieren, dass Apple ihm in die Suppe spucken könnte.

  2. Halten wir fest: Das Feature war standardmäßig ausgeschaltet. Der Benutzer musste es explizit (durch Aufruf einer URL) aktivieren. Damit ist Apples Argumentation, dass diese Verwendung der Laufstärke-Buttons den Benutzer „verwirren“ könnte, nicht mehr haltbar. Apples Eingriff ist damit nichts als reine Willkür, eine unnötige Bevormundung der Benutzer. Auch wenn es viele gute Argumente für iPhone & Co. gibt – diese Art von „Faschismus“ muss ich mir nicht antun.

    • So ärgerlich das ist: Wer die Regeln eines Spiels, dass jemand anderes initiiert hat, nicht befolgen will, darf nicht mitspielen. Und wer mogelt fliegt raus.

      Im Übrigen halte ich das Bild „Faschismus“ für völlig unangebracht. In meinem Haus werden sich auch die Schuhe ausgezogen und wer das nicht will, kommt nicht rein (im Prinzip). Nicht jeder, der Regeln aufstellt ist ein Faschist. Wenn doch: Weiterhin viel Spaß in der „Bananenrepublik“.

      • @Markus Freise:

        „So ärgerlich das ist: Wer die Regeln eines Spiels, dass jemand anderes initiiert hat, nicht befolgen will, darf nicht mitspielen.“

        Und als Kunde habe ich das Recht, Unternehmen mit einer solchen Politik zu boykottieren. Im Übrigen sollte Apple wenigstens den unbedarften Enduser darauf hinweisen, dass er keineswegs ein Gerät erwirbt, mit dem er alles technisch Mögliche machen kann, sondern eines, mit dem er genau das machen kann, was Apple für richtig hält.

        „Im Übrigen halte ich das Bild \’Faschismus\‘ für völlig unangebracht.“

        Totalitarismus wäre vielleicht angebrachter. Auf jeden Fall eine Regelungswut, die über ein gesundes Maß hinausgeht.

        „In meinem Haus werden sich auch die Schuhe ausgezogen und wer das nicht will, kommt nicht rein (im Prinzip).“

        Das ist Ihr gutes Recht – und wird von den meisten Besuchern auch akzeptiert werden. Wenn Sie jedoch von den Leuten verlangen würden, in Ihrem Haus auf den Knien zu robben, wäre das auch noch Ihr gutes Recht, würde aber doch zu einer raschen Vereinsamung führen. :-)

  3. Gehts Apple zu gut fangens an zu Spinnen. Mir wirds langsam zu dämlich Apple noch zu verteidigen. Ich werde immer mehr von denen an der kurzen Leine gehalten. Nicht mal meinem Mac Pro von 2008 kann ich eine aktuelle Grafikakrte einbauen. Das ist nur noch Bullshit.

    PS
    Der Graue Text hier könnte ein wenig dunkler sein, ist kaum anständig zu lesen.

  4. Ich kannte die App nicht, aber das ist genau das was ich suche. Es ist wirklich furchbar, dass man die Fotos immer über den Touchscreen auslösen muss, dadurch werden sie sehr wacklig. Keine Ahnung warum Apple so eine sinnvolle Funktion verbietet, wirkt für mich einfach stur und ist ein weiterer Grund Apple unsympathisch zu finden. Leider bereichere ich sie mit meinen Käufen im Apple Store weiter…. aber solange die Konkurrenz keine gute iPhone-Alternative auf den Markt bringt, hat man ja „keine Wahl“…

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