Die DFL schägt zurück

“Wir holen jetzt zum großen Gegenschlag aus”, so versprach DFL-Sprecher Tom Bender unlängst der Berliner Zeitung.

Recht so. Passiert doch in letzter Zeit unglaubliches: Menschen, sogenannte Fans, nutzen die allwöchentlich stattfindenden Spiele in der Bundesliga, um Fotos, teilweise sogar Videoaufnahmen der jubelnden Massen, also der echten Fans aufzuzeichnen. Es kommt aber noch dicker: Diese sogenannten Fans verbreiten ihre amateurhaften Aufnahmen im Internet. Stellen Sie dort anderen Nutzern zur Verfügung, manchmal gepaart mit Lobpreisungen auf das eigene Team, oder wüsten Beschimpfungen des Gegners.

Die wirklich kriminellen Besucher gehen aber nochmal einen Schritt weiter: Sie nutzen die Bild und Videoaufzeichungsmechanismen ihrer Mobiltelefone um Aufzeichungen vom eigentlichen Spielgeschehen zu machen! Auf diesem Wege gelangen an jedem Wochenende zahllose Mitschnitte und Fotos der Bundesligaspiele ins Internet. Einige dieser Fotos erreichen dabei Auflösungen, die den Ausdruck im Format handelsüblicher Briefmarken ermöglichen, manche Videos sind derart detailliert, dass sogar die Rückennummern der Spieler eindeutig entziffert werden können, zum Teil sogar mit mehr als 10 Bildern pro Sekunde!! Wer braucht da noch Arena oder Premiere?

Der große Gegenschlag gegen diese widerlichen und asozialen Suspekte hat somit allerhöchste Priorität in den Gremien der DFL:

Der Verband habe die Firma NetResult damit beauftragt, Urheberrechtsverstöße aufzuspüren, die Verantwortlichen abzumahnen und Unterlassung zu fordern

Verständlicherweise überdeckt dieser aktuelle Handlungsbedarf natürlich andere Themen bei der DFL, man kann sich ja nicht allem gleichzeitig widmen. Rechtsradikalismus auf und ausserhalb des Platzes beispielsweise. Damit kann man sich immer noch befassen, nachdem alle Foto- und Videopiraten dingfest gemacht sind…

Weitere Vertiefung dieses Themas bieten folgende Seiten:



10 Kommentare

  1. Falk
    01. November 2006 at 13:05 #

    @ ein fremder.
    Gegen Amatueraufnahmen (welche Gründe es auch sind) kann die DFL etwas unternehmen, sobald diese ohne Einstimmung des Vereins im Internet verbreitet werden.
    Aufnahmen wie Fotos oder Videos dürfen laut ATGB (Allgemeine Ticket Geschäftsbedingungen) nicht im Internet verbreitet werden.
    Grundsätzlich also eine Regelung die der Veranstalter regelt. Da der Veranstalter, also der Verein, sämtliche Bildrechte an den DFL übertragen hat, regelt die den Rest.

    Zum Verständnis: Es handelt sich ja nicht Aufnahmen die man nach einem Autogramm nochmal schnell von dem Spieler, Trainer oder Manager macht, sonderm um Bildmaterial das wärend eines Spiels gemacht wurden und die zB Torszenen zeigen.

  2. ein Christian
    01. November 2006 at 11:58 #

    Genau, wo kommen wir denn hin, wenn jeder über das berichtet, was er erlebt. Nicht umsonst haben sich motivierte Menschen den Hintern wund gerubbelt und präzise Meinungsmonopole aufgebaut. Die Leute sollen lieber Bratwürste im Stadion kaufen und damit die Konjunktur ankurbeln, als mit den armseligen LowRes-Zeugnissen jegliche Business Models zu torpedieren.

    Am Beispiel der Damen-Nationalmannschaft (wieviel WM-Titel nochmal?) kann man sehr schön erkennen, was Fussball [!] ohne Fans wert ist.

  3. Björn
    31. Oktober 2006 at 10:33 #

    @ fremder: wenn dem so ist frage ich mich, warum wir derart von der DFL angegangen worden sind. da ging es ebenso um ein video aus dem block, spielszenen waren nicht so zu sehen.

  4. Tomse
    31. Oktober 2006 at 07:14 #

    Hallo DFL: Ohne Fans kein Geld!

    http://szenenapplaus.de/200...

  5. ein fremder
    30. Oktober 2006 at 18:53 #

    @ Falk:
    Abwarten kann man natürlich. Wenn die DFL jedoch gegen Amateuraufnahmen aus Gründen des Urheberrechts vorgehen sollte, wäre das nicht durch die deutsche Rechtslage gedeckt.

  6. Falk
    30. Oktober 2006 at 18:34 #

    @ ein fremder:
    Leider bin ich in Sachen Urheberrecht kein Experte.
    Dennoch wird man abwarten müssen in welchem Umfang und mit welcher Begründung eine Abmahnung zur Unterlassung verabreicht wird.

  7. ein fremder
    30. Oktober 2006 at 18:21 #

    Die DFL wird mittels des Urheberrechts nur die Verbreitung der offiziellen Fernsehaufnahmen verhindern können, nicht die Verbreitung von Amateuraufnahmen (Begründung siehe Link). Zu letzterer hat die DFL aber in dem Artikel in der Berliner Zeitung auch nichts gesagt. Insofern ist dieser Blog übertrieben!

  8. manuel
    30. Oktober 2006 at 16:57 #

    schöner text. habe als ich das heute morgen gelesen habe bei golem direkt ne beschwerdemail an die dfl geschickt. glaube zwar kein stück daran das ich damit was bewirke, aber einfach da sitzen und warten bis mich ne unterlassungsklage erreicht kann ich auch nicht …
    http://bieh-myself-and-i.de...

  9. Falk
    30. Oktober 2006 at 16:06 #

    Die Frage ist: gegen welche Rechtepiraterie die DFL vorgehen will oder ob es nicht im Umkehrschluß ein von der DFL beauftragter Beutezug für NetResult darstellt, die nun durch ihren “Freibeuterbrief” den gemeinen Stadiongängern an die Geldbörse will.

  10. Renato
    30. Oktober 2006 at 15:22 #

    Womit ein Verband wieder einmal beweisst: Fussball ist kein Sport mehr, es ist knallhartes Business! Schliesslich hat der Verband die Fernsehrechte teuer verkauft.Wenn das so weiter geht, können die armen Klubs bald keine Millionen-Löhne mehr bezahlen und die Fussballer müssen alle auf’s Sozialamt! Dieser Teufelskreis muss unterbrochen werden! Verbietet Mobiltelefone!