Social Search is here to stay…

So ähnlich könnte man die Quintessenz meines gestern gehaltenen Vortrags auf dem Web 2.0 Kongress zusammenfassen.
Die 67 Slides habe ich hier als PDF Datei (19.5 MB) zum Download bereitgestellt. Ohne Tonspur bleibt vielleicht das ein oder andere auf der Strecke – vielleicht liefert der Veranstalter aber bald die Videos zum Event nach?

Worum geht es bei der Sozialen Suche?
Im Gegensatz zu den beiden Suchphilosophien die sich in den letzten 10 Jahren herauskristallisiert haben, also den Directories oder aber der algorithmischen Suche, will Social Search die eigene Umgebung im Web, die inhaltliche, vielleicht sogar räumliche Nachbarschaft mit in die Relevanzberechnung von Suchergebnissen einbeziehen.

Stellen wir uns einfach die enormen Daten vor, die beispielsweise del.icio.us von seinen mittlerweile über 1.000.000 Mitgliedern gesammelt hat. Durch das Speichern eines Links, quasi ein Voting für diese URL, gepaart mit den Tags des Einzelnen und den Tags der schieren Masse an Usern, hat man eine unglaubliche Fülle von Informationen über die Qualität einer Seite, ihre kontextuelle und soziale Verankerung. Man kann sich leicht vorstellen, wie diese Daten die klassische, algorithmische Suche von Yahoo aufwerten und verbessern könnten. Da man sich das bei Yahoo auch gut vorstellen kann, ist es nur ein Frage der Zeit, vielleicht von Monaten, bis wir erste Resultate sehen können.

Ein anderer Aspekt ist die Integration von Echtzeit Ergebnissen aus Blogs und News in die normale, klassische Suche. Ask.com macht das seit einiger Zeit sehr schön: Parallel zu den „klassischen“ Suchergebnissen sieht man wenigen Minuten alte Inhalte aus relevanten Blogs. Das funktioniert in meinem Falle sowohl mit der Suche nach meinem Namen, als auch mit agenturblog.

Lycos iQ wiederum wertet bereits jetzt die Suchergebnisseiten von Lycos auf. Aktuelle Suchergebnisse aus der Fragen und Antwort Community und dem Social Bookmarking werden von Usern bewertet und getaggt. Daten von Usern mit hohem Status von auf den Suchbegriff passenden Tags werden noch vor den algorithmischen Ergebnissen gezeigt – und haben dabei oft eine sehr gute Relevanz. Vor allem aber kann der Suchende direkt erkennen, wer der Antwortgeber bzw. initiale Bookmarker eines Links ist. Über diesen Kontext lässt sich eine Einschätzung über die Verlässlichkeit, das Vertrauen, das man einer Antwort entgegenbringt, herstellen. Ausserdem stellt dieses Suchergebnis idealerweise eine Einladung zur Diskussion oder zum Herstellen eines virtuellen oder sogar sozialen Kontaktes da.

Natürlich sind wir erst am Anfang dieser Disziplin, machen Babyschritte, wie Stan James, Gründer von Lijit, einer ganz frischen US Social Search / Trusted Network Search, ganz treffend feststellte.

Dennoch, je mehr Daten von uns und unseren Netzwerken online sind, je besser wir auf dieser Basis Kontext und Relevanz erkennen können, je sozialer,näher und auch aktueller wird die Suche im Web werden.

Dieser Trend – und da bin ich mir sicher – wird in den kommenden Monaten und Jahren die Suche im Web sehr stark verändern und beeinflussen.

Kommentare (9)

  1. Nimmt bei Deinen Gedanken zum Thema „Social Search“ der Aspekt: „soziale Netzwerke als Filter“ einen gewissen Raum ein? Jookster versucht sich ja auf dem Feld zu positionieren und ich hatte hier und hier auch schonmal in die Richtung was geschrieben.

    Mit geht es darum, dass wenn die Information über mein Social Network in einem offenen maschinenlesbaren Datenformat (z.B. Foaf) vorliegt, mir Suchergebnisse auch in einen Kontext zu meinem sozialen Netzwerk gesetzt werden könnten und man somit versucht einen weiteren Faktor für die Relevanz mit einzubeziehen.

    Ich denke in dem Moment, wo soziale Netzwerke offenen werden und wir eine universelle Privacy Control bekommen, wird es in Zukunft möglich sein bei Suchergebnissen zu Fragen:

    Welche Ergebnisse hat mein Social Network gebookmarked?
    Welche Ergebnisse hat mein Social Network „gediggt“?
    Welche Ergebnisse hat mein Social Network selbst erstellt?

    usw. … dann wird es richtig spannend :) Freue mich über einen Gedankenaustausch zum Thema!

  2. Pingback: VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog

  3. nachdem ich etwas über die Nielsenstudie Participation Inequality: Encouraging More Users to Contribute gelesen habe, kommen mir Zweifel ob die Soziale Suche bessere Ergebnisse liefert. Wenn die Studie stimmt, sind die Ergebnisse vielleicht für uns 1 bis 10% Power-User relevant, aber auch für die restlichen 90% Lurker? Obwohl selbst im Elfenbeinturm sitzend, maße ich mir nicht an, mit meinen Kommentaren, TrackBacks, Links, Reviews, Blogs uvm. die dadurch generierte Relevanz für alle User als allgemeingültig zu deklarieren.

    Leider ist mir noch kein Patentrezept unter gekommen. Ob Technik eine mögliche Irrelevanz herausfiltern kann, nur weil wir Sozialesnetz-User Inzest betreiben, mag bezweifelt werden. Und ob wir menschliche Filter akzeptieren würden genauso. Vielleicht müssen wir die Frage, ob irgendetwas relevantere und vor allem repräsentativere Suchergebnisse liefert mit „You can’t“ beantworten. Genau wie Jakob Nielsen dies auf die Frage „How to overcome participation inequality“ antworten musste.

  4. @Sebastian: Genau das Filtern von Inhalten in Abhängigkeit von der Einschätzung Deines Netzwerkes, ist ein wichtiger Teilaspekt. Also Aggregation und Filtering durch den eigenen, sozialen Kontext.

    Je offener dabei diese Netze sind, um so besser. So ist es möglich, meine Daten, mein Netzwerk, in weitere Applikationen zu übernehmen. Ohnedem wird es irgendwann für Unternehmen ganz schwer den Tippingpoint in eigenen, neuen Social Networks zu erreichen. Welcher User hat schon Lust, immer wieder neue Profile, neue Netzwerke anzulegen.

    @Yves: Jakob Nielsen hat bei seiner Participation Inequality Studie ein Thema aufgegriffen, das ohnehin im Augenblick im Netz hinlänglich diskutiert wird, insbesondere im Hinblick auf die Wikipedia.

    Natürlich ist ein möglichst hoher Grad an Partizipationsbereitschaft wünschenswert. Aber nur weil er (noch) nicht da ist, sollten wir aufhören über derartige Visionen, wie die Social Search,nachzudenken? Ist es nicht eher so, dass die User, die sich nicht einbringen, ihre Chance verpassen, den Inhalten und Tendenzen im Web eine eigene Richtung zu geben?

    Eine Aufgabe aus Produkt-Entwicklungssicht sollte es somit sein, die Eintrittshürden und Lernkurven so flach wie möglich zu machen.

  5. @Oliver – Das SocialNetwork „openPeople“ hat jetzt übrigens mit FoaF und Microformats seine Toren in diese Richtung geöffnet. Ebenso arbeitet ja Blogscout an einem ähnlichen Ansatz auf Basis von FoaF.

    @Yves – Diese Meinung höre ich in dem Kontext immer wieder. Es geht halt erstmal darum, diesen Faktor überhaupt zu ermöglichen. Wie stark man diesen dann gewichtet und wie die genaue Implementation aussieht, ist sicherlich eine andere Sache.

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