Columbine, Emsdetten

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„Es ist die Hölle, ein Leben vergeudet…das darf alles nicht wahr sein.“ – schreibt Bastian, der Emsdettener Amokläufer in seinem Blog bei Livejournal.

Doch die Spuren im Netz verblassen. Mit ungeahnter Geschwindigkeit werden ganze Websites, Foren und Videodokumente des 18 jährigen entfernt.

Noch gibt es Dokumente im Google Cache, so wie dieses Video oder das Blog bei Livejournal – und auch der (scheinbar authentische) Abschiedsbrief, ein Zeugnis von Wut und Kapitulation, wurde erhalten (im Vergleich die RTL Version des Dokumentes).

Warum diese Zensur? So die Daten die polizeilichen Ermittlungen behindern mag eine zeitweise Sperrung betreffender Seiten nachvollziehbar sein, nach Abschluss des Verfahrens wäre es jedoch von großem Interesse diese Daten wieder einsehbar zu machen. Nicht nur um selbst vielleicht nach einer Erklärung zu suchen, eine Idee für die Gedanken, Nöte und die unglaubliche Wut im Kopf des 18-jährigen zu finden. Vielleicht eher um dem VereinfachungsZwang der traditionellen Medien und der Politik zu entgehen, dem großen Fingerzeig in Richtung Computer- bzw Killer-spiele.

Diesmal an vorderster Front der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach. „Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der 18-jährige Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit sogenannten Killerspielen beschäftigt hat, müsste der Gesetzgeber nun endlich handeln. PC-Killerspiele wie „Counterstrike“ müssten verboten werden“.“ Der klassische Pawlowschen Egoshooter Reflex.

Natürlich gilt es an der Medienkompetenz zu arbeiten – vor allem und vielleicht zuallererst an der unserer Politiker. Diskussionen gilt es aus meiner Sicht primär aber unter anderen Gesichtspunkten zu führen.

Vielleicht helfen uns die Spuren im Netz einen Blick hinter die Fassade zu werfen, vielleicht können wir die Gründe erahnen, Ideen finden, dies künftig früher zu erkennen, rechtzeitig zu begegnen?

4 Kommentare

  • Unter http://zensuristfalsch.trip... gibt es einen wohl recht authentischen Mirror des Abschiedsbriefes.
    Wirklich zu Denken gibt auch die Startseite von keinmensch.de

    „Irgendwie beschämend, dass gerade ich mich dem fügen muss. Nunja, warum wird der Brief im TV überall vorgelesen, warum darf t-online und Bild den Brief veröffentlichen und ich nicht?“

    Gute Frage!

    Das sofort wieder gegen Ballerspiele gewettert wird, war abzusehen. Es liegt alles am Computerspiel. Dass man aus einem PC-Spiel keine echten Waffen und Sprengstoff bekommen kann vergessen wohl die meisten Politiker.

  • […] If you read German, here is what the German blogopshere has to say about the event. Technorati tags: emsdetten, technorati […]

  • […]   47   Blackbox WWW         14:38 | Nov 22’06 Spuren im Netz: Emsdettens Amokläufer   Auch die Blogwelt beschäfftigt sich mit dem Amoklauf an einer Emsdettener Schule. Doch nicht nur Entsetzen oder Trauer machen die Runde, vielmehr sind es Spuren die der Täter im Netz hinterließ. Er vertrieb sich nicht nur die Zeit online, sondern schrieb auch ein eigenes Tagebuch im Netz. Und während man auf der einen Seite nun offenbar fieberhaft damit beschäfftigt ist, die Spuren des Sebastian B. zu versperren und zu löschen, sichern Blogs Auszüge des Tagebuches, seinen Abschiedsbrief und ein wenig mehr und versuchen, den Menschen hinter der Tat zu begreifen. […]

Oliver Wagner von Oliver Wagner

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