Rechtliche Basis für die Veröffentlichung von Videos in Blogs

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Wenngleich der Titel diese Eintrags die vage Vermutung aufkommen lässt, ich hätte eine verbindliche Rechtsgrundlage für diese Problematik entdeckt, ist dem nicht so. Im Gegenteil.

Aber angeregt durch das neue Open-Source-Social-Media-Baby laerm.de, für das ich derzeit wohl die juristische Verantwortung trage, bin ich dieser Frage zumindest gedanklich und beim Lunch in Hamburg heute auch im Dialog mit einem Berliner Anwalt mit hoher Expertise in diesem Themenkomplex, nachgegangen.

Aus meiner laienhaften Sicht betrachtet sieht es doch so aus, dass der Blogger, der ein Video aus dem Fundus eines der großen Videohoster zunächst mal der Dritte in der Veröffentlichungskette ist. Ein anderer hat die Datei hochgeladen und auf Seiten des Hosters bestätigt, die in entsprechenden AGB geregelten Copyrighthinweise nicht zu verletzen. Im zweiten Schritt stellt der Videohoster dies ebenfalls sicher, bzw. bedient sich dem Wissen der Vielen, also seiner Community, die evtl. Verstöße anzeigt und den Hoster so zur Deaktivierung des Files auffordert. In einer idealen Welt könnte man also meinen, das bereits zwei Instanzen die Prüfung vorgenommen haben, die ein einzelner kleiner Blogger nicht nachhalten kann. Hat entsprechender Künstler einen Vertrag bei einem Label, dass wiederum mit Youtube, Google oder Sevenload eine Vereinbarung getroffen hat? Gestattet oder fördert der Rechteinhaber die Verbreitung dieses Materials um vielleicht neue Zielgruppen abseits der ausgetretenen Pfade seiner üblichen Vermarktungsschienen zu finden? Hat der Sender des Videos – wie beispielsweise CBS, die sich sehr über die Verbreitung ihrer Videos über Youtube und die dadurch steigenden Zuschauerzahlen ihrer Latenight-Show freuen – gar ein gesteigertes Interesse daran? Oder ist genau das Gegenteil der Fall?

Sicher wissen kann man es nicht. Somit kann der Rat eines jeden Anwalts nur sein: Finger weg! Aber, ist "Finger weg" auf Basis einer alles andere als eindeutigen Rechtsprechung ein Innovationstreiber? Sicher nicht. Auf der andere Seite stellt sich die Frage: Möchte gerade ich es sein, der diese diffuse Rechtssprechung um einen Präzedensfall bereichert? Eher nein. Kann man aber, und damit möchte ich meine Ausführungen schließen und zur Diskussion einladen, kann man davon ausgehen, dass eine Seite wie laerm.de, auf der mittlerweile schon 15 angemeldete Blogger ihre persönlichen Favorites präsentieren und veröffentlichen, die aber frei von Werbung, also jeder Form von Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird und in ihren (noch zu verfassenden Statuten) und technischer Ausgestaltung dem Inhaber eines Urherberechtes, der selbiges durch diese Form der Drittverwertung bedroht sieht, eine sofortige Löschung garantiert, kann eine solche Seite mit Duldung der Industrie betrieben werden? Ohne Gefahr zu laufen Abmahnungen, insbesondere die windiger Massenabmahungskanzleien einzufahren? Was sagen Sevenload (Ibo?) und Google (Kay?) dazu? Würden sie im Falle eins Falles schützend hinter dem Blogger/den Bloggern stehen? Was sagen die geschätzten bloggenden Standesvertreter (Udo?)? Und, ganz wichtig, was denkt und sagt Ihr dazu?

23 Kommentare

  • wer nicht wagt der nicht gewinnt.

    ich denke man sollte das Projekt bis zur eigenen Schmerzgrenze führen! Solange die Rechtslage für euch vertrettbar ist und keien Angriffe kommen, sollte man es machen. Darüberhinaus würde ich nur mit entsprechendem Background agieren.

  • Ich seh‘ das prinzipiell so wie Robert. Mich würde aber auf jeden Fall interessieren was die Portalbetreiber dazu sagen und inwieweit sie vorhaben mit solchen Fällen umzugehen.

  • Warum sollen die 15 Mann nicht auch untereinander eine Art „rechtliche Qualitätssicherung“ betreiben? Oder man gibt jedem Besucher die Möglichkeit, rechtlich bedenkliches zu melden …

  • Ich kann zwar nicht sagen, wie sicher ihr als Blogger seid aber als Hochlader wäre ich verdammt vorsichtig. Denn gerade YouTube und die anderen Großen arbeiten z.T. aktiv mit den Rechteinhabern zusammen, wenn es darum geht die eigenen User zu verklagen und sich somit selbst zu schützen. Prinzipiell bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, denn sonst müssen sie selbst haften und das wird sehr teuer.
    Solange ihr auf dem Blog kein AdSensense oder ähnliches einsetzt, dürftet ihr jedoch ziemlich sicher sein. Solltet ihr das ändern müsst ihr nochmal das Konzept überdenken, denn die Verwendung der Embed-Videos auf kommerziellen Seiten ist soweit ich weiß bei den meisten Anbietern untersagt.

  • @Betram: Hast Du zu der Aussage (portale arbeiten mit rechteinhaber zur Verfolgung eigener User zusammen) denn eine zitierfähige Quelle?

  • YouTube und Co sind (zumindest nach deutscher Rechtssprechung) fein raus: Die „Mitstörerhaftung“ greift erst bei Kenntnis und die muss bei nutzergenerierten Inhalten erst einmal verneint werden. Der Betreiber muss Hinweisen auf Rechtsverstöße nachgehen, diese aber nicht selbst aktiv recherchieren und feststellen.

    Bei laerm.de sieht dies natürlich völlig anders aus: Die Inhalte werden vom Betreiber eingestellt (wenn man eine geschlossene Blogger-Gruppe als so etwas wie ein Redaktionsteam auslegt), sodass eine Kenntnis der Inhalte auf jeden Fall zu bejahen ist. Der Betreiber dürfte hier also in vollem Umfang zur Haftung genommen werden können, zumal er sich über eine Integration des Bildmaterials die Inhalte zu eigen macht.

    „Finger weg“ ist also wahrscheinlich ein guter Tipp. Zu Recht, denn sich bei urheberrechtlichen Verstößen wider besseres Wissen hinter den Kontrollmechanismen Dritter zu verstecken, wäre einfach zu billig.

  • Meine Lösung basiert in der Regel auf dem gesunden Menschenverstand, augenzwinkernd der Gegenpol zur Juristenlösung:

    Wenn ich ein Video einbinde, welches in der Art der Aufmachung professionell aussieht (jeder Blogger sollte in der Lage sein, das zu beurteilen) erst einmal grundsätzlich: Finger weg.

    Dann Quelle suchen. Entweder CC oder ausdrücklich formulierte Erlaubnis. Habe ich die nicht, folgt im Grunde die Risikioabwägung:

    1. wie wahrscheinlich ist ein Urheberrechtsschutz
    [aktueller Kinofilm – sehr wahrscheinlich (`_^)]

    2. wenn er wahrscheinlich ist, gehe ich das Risiko ein, daran festgenagelt zu werden bzw. wie sehr ist die Quelle an einer viralen Verbreitung interessiert und wird ergo keine Gegenmaßnahmen in Angriff nehmen?
    [z. B. Werbespots, Trailer wiederum unwahrscheinlich]

    Wenn im Bauchgefühl alles im grünen Bereich ist, dann hinein in den Blog. Sicherheit gibt es keine. Haftbar gemacht werden kann ich doch im Grunde für alles.

    „Wissen hinter den Kontrollmechanismen Dritter zu verstecken, wäre einfach zu billig.“

    Ich denke, davon sollte erst einmal jeder ausgehen. Da auch Gesetzestexte aller 200 Jahre erneuert werden, ist ja zu hoffen das irgendwann auf solche Sonderfälle wie Blogs oder Videohosting explizit eingegangen wird. (Irgendwann wenn keiner mehr darüber spricht.)

    Bis dahin gilt everybody for himself.

  • Hast Du Sevenload & co mal gefragt? Deren antwort würde auch mich bzw. sollte jeden Blogger, der Videos embeddet, interessieren …

  • @KP Frahm: Ja, sowohl bei sevenload als auch bei Google habe ich angefragt, Statements veröffentliche, sobald sie eingehen.

  • Interessant in diese Zusammenhang übrigens auch die Gesetzesnovelle die künftig die Höhe von Abmahngebühren auf ein Limit von 50.- EUR begrenzen soll:

    http://www.bundesregierung....

    „Bei einer unerheblichen Rechtsverletzung werden die erstattungsfähigen Anwaltsgebühren auf 50 Euro begrenzt. Das gilt bei einfach gelagerten Fällen außerhalb des geschäftlichen Verkehrs.“

  • Du kennst meine Meinung. So wohlwollend und ermutigend die meisten Kommentare sind, sie werden nicht für Dich sammeln, wenn es schiefgeht. Aus meiner Sicht trifft es Dr. Specht auf den Kopf, Du bist Betreiber und Hochlader. Es wird eine harte Zeit vor Gericht, mangelnde Kenntnisse nachzuweisen.

  • @bertram:
    „denn die Verwendung der Embed-Videos auf kommerziellen Seiten ist soweit ich weiß bei den meisten Anbietern untersagt.“

    Aber die machen das trotzdem, siehe zB Spon:
    http://www.spiegel.de/netzw...

    … was zwar kein Persilschein für (uns) andere ist, aber zumindest sorgt das für ein gewisses Gleichgewicht an der Front.

  • Jep ich glaube auch, dass wahrscheinlich Blogs hinten anstehen werden, trotzdem sollte man die Regelung im Hinterkopf behalten, weil es ganz schnell gehen kann dass dann für „kommerzielle“ Seiten Gebühren erhoben werden.

  • Ist es denn so interessant, die von Hinz&Kunz aus dem TV oder von DVDs geklauten und online gestellten Sequenzen zu verbreiten? Es gibt doch genügend user generated content – nicht nur user stolen content. In der Regel sieht man das doch auf den ersten Blick, falls nicht – Finger weg.

    Wenn ich einen Beitrag produziere und diesen selbst auf Youtube, Sevenload und Co. publiziere, stelle ich ihn damit allen Interessierten zur Verfügung. Andernfalls sperre ich ihn.

    Und für laerm.de gilt – im Zweifel frage ich halt nach.

  • Ich stimme Andreas insoweit zu, als es sicher genug user generated content gibt, den man veröffentlichen kann. Doch wenn auch ein Non-Profit-Blog jeden eventuellen Rechtsverstoß durch vorherige Anfragen ausschalten soll: Ich befürchte, dass gerade dann innovative und gute Inhalte zurücktreten müssen – weil die Rechteinhaber generalpräventiv jede Art der Verbreitung untersagen könnten, unabhängig von der Qualität des Blogs oder Angebots.

  • Gruselgrotte der blutdurstigen Würste » Blog Archive » Das stumme Sterben der hauseigenen Musikvideolinkzusammenstellungen sagt:

    […] Sorry, Leute, aber ich will mich nicht von Abmahnern querficken lassen. Darum habe ich eben in einer Blitzaktion die Rubrik Klangumfang ausgedünnt. Mit anderen Worten: Vorsorglich alle Beträge mit Links auf YouTube-gehostete Musikvideos gekillt. […]

  • @Oli.
    Das mit der Abmahnungskosten hab ich vor einigen WOchen schon im Spiegel gelesen. Allerdings ist das eher ein Gesetzesentwurf und muss noch beschlossen werden. Allerdings gibt es auch Gegner dieses Entwurfes, welche wohl in der Mehrzahl aus der Anwalts-Gilde kommen.

  • Nun Oliver, wenn du absolut sicher gehen möchtest, solltest du dir zuvor einfach kurz ein rechtliches Einverständniss des Uploaders einholen, denn dieser ist alleine für den Upload verantwortlich.

  • Ich würde auch den gesunden Menschenverstand einsetzen. Der sagt mir übrigens, dass wenn Du Dein Boxvideo in einem Fußballstadion aufgenommen hättest, die DFL vor der Tür stehen würde. Ich weiß nicht wie es RTL oder der Rechteinhaber der Boxveranstaltung hält, aber auch hier hilft es nicht mal das Video selbst gemacht zu haben, wenn man evtl keine Rechte hat, es „zu senden“. Schwieriges Feld das, deswegen braucht es mehr Leute, die was selbst machen.

  • @Ibrahim: Das sehe ich anders. Die Rspr. hierzu ist ja bekanntlich nicht vorhanden oder recht dünn, doch die Tatsache, dass jmd. anders der Uploader war, ändert nichts an der Tatsache, dass ich die Inhalte sorgfältig prüfen muss. Auf illegale Inhalte zu verweisen war und wird voraussichtlich immer mit Abmahnungen und Kosten verbunden sein. Und wer von uns, die das Internet regelmäßig benutzen, kann einem Richter glaubhaft machen, dass er sich nicht bewusst war, dass der Content X oder Y von YouTube das Urheberrrecht eines Dritten verletzt.

    Da nützt dann auch der Disclaimer nichts. Denn ähnlich wie bei normalen Hyperlinks kann man sich so auch künftig kaum aus der Verantwortung stehlen. Ich kann, zugegeben weit ausgeholt, ja auch kein Haus zur Veranstaltung eines illegalen Waffenhandels Dritter bereitstellen – und dann ein Schild über der Tür anbringen: „Ich distanziere mich ausdrücklich von allen ilegalen Handlungen im Innenraum.“

  • […] Rechtliche Basis für die Veröffentlichung von Videos in Blogs – keine Rechtsberatung, aber nachvollziehbare Gedankengänge vom agenturblog. […]

  • […] Rechtliche Basis für die Veröffentlichung von Videos in Blogs (tags: video law blog) […]

Oliver Wagner von Oliver Wagner

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