Die Gefahr in den Wolken – Socialmedia Backup Strategien

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Bei allem gebotenen Enthusiasmus für das partizipative Web und die Applikationen, die unser Leben leichter und manchmal vielleicht auch besser machen, sollte man dennoch zwischendurch inne halten und sich Fragen: Was ist denn eigentlich mit meinen Daten. Oder, heute aus trifftigem Anlass: Wo sind denn eigentlich meine Daten?

In der vergangenen Woche hatte der Social Bookmarking Service Ma.gnolia ein erstnhaftes Datenbankproblem – und ist seit dem Offline. Ob und wann die Daten der Nutzer wieder hergestellt werden ist fraglich. Heute dann gab es Meldungen über vollständige Ausfälle der Dienste von Revver und Pageflakes. Beide Angebote sind ohne vorherige Ankündigung seit fast vier Tagen vom Netz. Auch hier weiß man nicht, wann und mit welchen Inhalten mit einer Wiederverfügbarkeit zu rechnen ist. In allen drei Fällen bin ich nicht betroffen. Das aber ist nicht Verdienst und Umsicht sondern schlichtweg Glück. Hätte es Delicous getroffen wären Jahre meines Bookmarkings dahin. Würde GMail von einem solchen Desaster getroffen (so Unwahrscheinlich sich das darstellen mag) müsste ich mich an den Inhalt von rund 60.000 E-Mail aus den vergangenen 5 Jahren erinnern. Amazon S3 stellt mittlerweile alle Bilddaten für unseren Preisvergleich für Medikamente zur Verfügung und hostet sämtliche Binären Inhalte aus vier Jahren Projektverwaltung mittels Basecamp. Genausowenig habe ich ein Backup meiner Tweets und Kontakte bei Twitter. Oder gar ein lokales Archiv aller bei Flickr von unterwegs hochgeladenen Bilder aus mittlerweile zahlreichen Generationen von Mobiltelefonen.

Vielleicht ein guter Zeitpunkt um intensiv über effektive Socialmedia Backup Strategien nachzudenken. Im folgenden eine Liste von Tools für einzelnen Plattformen – mit der dringenden Bitte um Ergänzung weiterer Möglichkeiten in den Kommentaren.

Twitter

  • Tweetake sichert eigene Tweets, Kontakte, Follower, Direct Messages und Favoriten in eine CSV Datei.
  • Twittersafe sichert Followers, Following und Replies
  • Das WordPress Plugin Tweet Tweet legt ein Backup von in der eigenen WordPress Datenbank an (via)

GMail

  • Am einfachsten und effektivsten dürfe das Backup via POP3 oder IMAP mit Hilfe eines lokal installierten E-Mail Clients wie Mail.app oder Outlook sein.
  • GMail Backup verspricht eine lokale Kopie aller Nachrichten und Anhänge. Mehr Details hier.
  • IMAPSize ist ein Windows Programm und sichert und überwacht IMAP Konten. Erläuterungen dazu hier.
  • Backup von GMail nach Google Groups. Erläuterungen hier.

Google Docs

Delicious

  • Der einfachste Weg zum lokalen Speichern der eigenen Bookmarks ist bereits in Delicious integriert. Die Exportfunktion sichert alle Daten in einem Format, dass den direkten Import in den lokalen Browser erlaubt.

Flickr

  • Flickredit sichert Bilder und Sets (Java)
  • Flickr Backup kleines MacTool das ebenfalls lokale Kopien der Flickr Bilder erzeugt

13 Kommentare

  • Meine Strategie? Keine!

    – Alle bilder auf Flickr sind gleichzeitig in meiner iPhoto Datenbank, da ich nur von dort aus Bilder auf Flickr publishe.

    – email läuft über meinen eigenen mailserver und e-mails werden via IMAP heruntergeladen und lokal archiviert.

    – Delicious posts als bookmarks.html exportiert

    – Twitter: erachte ich als nicht wichtig genug, um lokale Backups zu erstellen.

  • Ich hab ja für mein kleine Drupal-Blog ein generisches Feed-Importer-Skript geschrieben, dass mit wenig Konfigurationsaufwand fast beliebige RSS-Feeds in mein Blog integriert. Da es fast alles als RSS-Feed gibt und die Frequenz der Items in der Regel nicht über 20Stück/10Minuten liegt (20 Items sind in der Regel in einem Feed und der Importer läuft über einen Cron alle 10 Minuten) bekomme ich alles ziemlichgut rein. Sollte für Wordrpess auch kein Problem sein, sowas zu entwickeln.

  • Danke für die Zusammenstellung. Im Augenblick haben wir vom Vorwärts noch gar keine Backup-Strategien dafür, aber wir werden Deinen Artikel mal als Anlass nehmen, darüber nachzudenken.

  • Über dieses Thema habe ich mir bisher nie Gedanken gemacht, aber Du hast vollkommen Recht. Das von Dir angedeutete Endzeitszenario eines Ausfalls von Delicious.com würde mir echte Probleme bereiten. Ich habe hier lokal nahezu keinen einzigen Bookmark mehr liegen.

    Hier werde ich gleich mal ein Backup fahren! Ebenso wie bei meinen Followern bei Twitter.

    Danke für den Gedankenanstoß!

    Viele Grüße aus Bonn, Oliver

  • Da hab ich neulich schon mal ein wenig drüber geschrieben, ansatzweise: http://blog.thylmann.net/20...

    Was ich im moment mache ich das ich mir eine Noserub instanz unter thylmann.net aufgesetzt habe die alle meine sachen aggregiert. Ganz nebenbei auch noch von ein paar leuten die ich relevant finde und das ganze ist dann auch noch durchsuchbar.

    Meine meisten dateien sind über Dropbox bei Amazon aber halt auch immer auf meinem rechner hier und einem zu hause. Werde da wohl den speicher ein wenig aufbroten und dann alles darüber laufen lassen.

    dazu läuft das eigene blog auf dem eigenen server … da muss ich wohl noch ein wenig backup schauen :) aber hey, auch ein cloud rechner mit SAN dahinter.

  • Irgendwie hab ich da bis jetzt noch überhaupt nicht dran gedacht. Vielleicht wäre der totale Daten-GAU auch gar nicht mal so schlecht. …Zeit für einen kompletten Neuanfang ;o)

  • Danke für die Anregungen.

    Für MisterWong gilt übrigens das gleiche wie für Delicious. Auch dort lassen sich die Bookmarks als Datei exportieren.

  • […] die gefahr in den wolken – socialmedia backup strategien | agenturblog.de noch ein blogartikel zum back up. dieses mal mit blick auf diverse social media anbieter (tags: web2.0 twitter backup socialmedia lists info howto gmail googledocs delicious flickr via:mento.info) […]

  • Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Vor allem im Zusammenhang mit delicious. Darum habe ich letztens auch meine Lesezeichen exportiert. *puh* Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Datei mit den URLs und Tags jemals vernünftig nutzen kann, wenn es mal drauf ankommt…

    Ich denke auch, dass das Thema Backups wirklich wichtig ist. Es muss ja nicht ein Hardwareproblem sein. Der Dienst kann ja auch einfach abgeschaltet werden oder auf einmal nicht mehr kostenlos sein (in Bezug auf die von Dir genannten Dienste). Dass ein Dienst plötzlich nicht mehr exisitert, habe ich selbst schon erlebt. Ich weiß nur nicht mehr, was das war…

  • Es ist eine Abwägungsfrage, ob ich die Sicherheit meiner Daten durch mehrfaches Spiegeln ausreichend erhöhen kann um mich besser zu fühlen. Hmmm, ich glaube, ich fühle mich gar nicht beunruhigt, wenn ich an den Verlust von 2 Jahre alten Mails in meinem Postfach denke.

  • Ich denke, die einzig derzeit machbare Variante ist seine Daten immer zu spiegeln. Keine Hardware ist sicher, kein Anbieter existiert auf ewig. Es ist zwar ein zuätzlicher Aufwand (finanziell und zeitlich) die Daten auf verschiedene Weise zu sichern, aber mir fällt keine andere Lösung ein.
    Meine Bedenken hinsichtlich der Auslagerung meiner Daten auf delicious, gmail, … ist eher meine Privatsphäre. Wie sicher sind meine Daten bei Anbietern vor Datenanalyse, oder -weitergabe?

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