Google experimentiert mit Social Search

Die bislang fehlende Akzeptanz von Social Search Plattformen ist aus meiner Sicht eines der großen Mysterien der aktuellen Dekade des Internets (vgl. Vortrag Social Search is here to stay aus 2006). Wenngleich es einige Studien gibt, die nach wie vor den klassischen, algorithmischen Suchmaschinen bessere Werte bescheinigen, so ist es dennoch an der Zeit, die große Menge an nutzergenerierten Daten und Metadaten bei der Bewertung und Relevanzberechnung von Suchergebnissen heran zu ziehen – und zwar in einem Maße, das weit über die Ansätze von Wikia oder Mahalo hinaus geht.

Einen eher pragmatischen Weg beschreitet Google derzeit mit einem neuen Testprojekt. Statt Informationen aus anderen, bestehenden Quellen zu nutzen, erlaubt das neue SERP-Frontend, die einzelnen Ergebnisse zu bewerten (Approval Voting), zu kommentieren oder aus der eigenen, personalisierten Ergebnisseite zu entfernen:

Ein bereits vor ein paar Tagen veröffentlichter Screenshot zeigt eine gute Übersicht über einige der implementierten Funktionen:

Neben den Änderungen auf der SERP bringt dieses Konzept gleich eine Fülle weiterer neuer Funktionen mit. So hat jede bewertete Seite künftig einen eigenen Datensatz bei Google, in dem die bisherigen Ratings und Kommentare einsehbar sind. Selbst letztere können durch die Nutzer wiederum in ihrer Relevanz beeinflusst werden. Ebenso wäre bei einer tatsächlichen Öffnung dieser Features für eine breitere Öffentlichkeit (künftig) jede Aktivität eines User mit seinem Profil bei Google verlinkt. Dieses Profil gibt Aufschluss über die zuletztz bewerteten und kommentierten URLs, zeigt ein Profilbild sowie die eigenen Webadressen des Nutzers.

Im Prinzip ist all das nicht revolutionär und es scheint mehr als fraglich, ob dieser Test jemals in die öffentlichen Google Labs übernommen wird. Interessant ist allerdings die Frage, welche Gedanken hinsichtlich der Manipulierbarkeit bzw. den zu erwartenden Spam und SEO-Bemühungen in diese Studie eingeflossen sind. Denn genau hier dürfte eine der größten Schwierigkeiten eines solchen Konzeptes liegen.

Gerade vor diesem Hintergrund halte ich nach wie vor den Ansatz, Daten aus bereits bestehenden Systemen, mit eigenem Reputationssystem sowie einer intrinsischen Nutzermotivation für die Anreicherungen algorithmischer Suchen durch soziale Komponenten zu verwenden für den besseren Weg.

Ausserdem bleibt die Frage, welchen Grad an Komplexität Menschen die im Benutzungskontext einer Websuche auf diese Seiten treffen, bereit sind zu akzeptieren und ob sie nach dem erfolgreichen Auffinden eines guten Ergebnisses gewillt sind, nochmal einen Schritt zurück zu gehen und entsprechende Bewertungen vornehmen. Groß ist die Gefahr, dass direkt beim Überfliegen der Ergebnisse die bereits bekannten Adresse zu einem Thema mitgevotet werden. Ähnliche Effekte kann man seit längerem bei del.icio.us beobachten.

Aber genau der Beantwortung dieser und vermutlich vieler weitere Fragen wird dieser Test sicherlich dienen…

via Techcrunch

Kommentare (9)

  1. Pingback: Google Social Search 2.0 » Suchmaschinen News

  2. Nette Gedanken, erinnere mich bitte dran, dass ich Dir in den kommenden Tagen einen Invitecode zu communipedia schicke

  3. Oliver, ich nutze den Artikel mal, um nochmal zu sagen: Super Design. Ganz großes Tennis. Es ist schade, dass Du so wenig schreibst. So habe ich nur wenig Gelegenheit, hier zu sein und Deine Gestaltung zu genießen. Was den konkreten Text angeht: Spam und Seo-Bekämpfung wird glaube ich eine zentrale Herausforderung im älter werdenden Social-Web und mehr noch im Semantic Web werden und die Herausforderungen werden weit über das Erkennen von Spambots und Linkfarmen hinausgehen. Den Ursachen des Meta-Tag-Desasters des Web 1.0 haben wir noch immer nur wenig entgegenzusetzen.

  4. Pingback: Fundstücke der letzten Tage | Der SEO Blog in Österreich

  5. Da bin ich wirklich sehr gespannt, ob sich das gegen klassische Suchmaschinen wirklich durchsetzt. Gruß Tom

  6. Benutzerbewertungen sind an sich eine feine Sache, nur öffnen sie Tor und Angel zum Missbrauch. Sollte es Google wirklich einführen, dass man Ergebnisse bewerten und dadurch das Ranking beeinflussen kann, sehe ich schon die ersten Wettbewerber, die keine Kosten und Mühen scheuen werden, Konkurrenten durch negative Bewertungen aus dem Weg – sprich den Serps – zu räumen.

  7. Pingback: toms blog » Warum Social Search nicht funktioniert

Kommentare sind geschlossen.